Quellensteuer-von-Dividenden-im-Ausland
Written by Philipp Stirnemann on Mai 15, 2020 in Steuern

Dividenden im Ausland und ihre Quellenbesteuerung

Gehören Sie auch zu den Aktienbesitzern, die ausländische Aktien besitzen? Dann gehören Sie wahrscheinlich auch zu denen, die sich mit ausländischen Dividenden und der entsprechenden Quellenbesteuerung (Withholding Tax) in der Steuererklärung herumschlagen müssen.

Denn Dividenden, die im Ausland anfallen, sind in der Regel quellensteuerpflichtig. Auf dem jeweiligen Bankkonto landet im Endeffekt nur die Differenz zwischen der Bruttodividende und der ausländischen Quellensteuer (QsT).

Gleichzeitig sind sämtliche Dividenden in der Schweiz deklarations- und einkommenssteuerpflichtig. Schweizer Steuerämter verlangen von Privatanlegern die Deklaration der Bruttodividende, also die Deklaration des vollen Betrages ohne Berücksichtigung/Abzug der im Ausland bereits abgeführten Quellensteuer. Bei gewissen Tradingaccounts sieht man im Dividendenbericht sogar nur den Nettowert, d.h. man muss in einem solchen Fall den Bruttoertrag manuell aufrechnen (z.B. bei der Saxobank Schweiz). Da auch in der Schweiz dieser Bruttoertrag als Besteuerungsbasis verwendet wird, sieht es auf den ersten Blick so aus, als würde an dieser Stelle eine Doppelbesteuerung erfolgen.

Dank den zahlreichen Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen der Schweiz und anderen Ländern findet bei korrekter Deklaration in der Steuererklärung in den meisten Fällen jedoch keine Doppelbesteuerung statt. Um eine solche Doppelbesteuerung zu vermeiden, ist es wichtig, die Dividenden in der privaten Steuererklärung richtig einzutragen.

Nachfolgend wird an einem einfachen Beispiel gezeigt, wie die Minderung bzw. der Ausschluss der Doppelbesteuerung genau funktioniert. Zusätzlich zeigen wir ein konkretes Beispiel aus der Praxis.

Doppelbesteuerung vermeiden

Beispiel:

Herr Schweizer hält Aktien von einem amerikanischen Unternehmen. Im Jahr 2019 hat er von diesen Aktien eine Bruttodividende in Höhe von CHF 100 (nach Umrechnung) in Form einer Dividende erhalten. Die amerikanische Quellensteuer (Withholding Tax) beträgt 30%. Seinem Konto wurde demzufolge ein Betrag von CHF 70 gutgeschrieben (Bruttodividende – amerikanische Quellensteuer).In seiner privaten Schweizer Steuererklärung hat Herr Schweizer den Bruttobetrag von CHF 100 zu deklarieren. Bei einem Steuersatz von 20% muss Herr Schweizer im Inland zusätzlich CHF 20 an Steuern entrichten. Die gemeinsame Steuerlast betrüge somit CHF 50 (amerikanische QsT + Schweizer Einkommenssteuer), was ohne weitergehende Verrechnung 50% der Dividenden entsprechen würde.

Nun besteht seit 1996 zwischen der Schweiz und den USA ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA). Gemäss diesem DBA kann ein Teil der in den USA bereits bezahlten Quellensteuern in der Schweiz bzw. auf die Schweizer Einkommenssteuer angerechnet werden. Im Konkreten beträgt dieser Teil 15% (Achtung: Nicht 15% der Quellensteuer, sondern 15% der Dividende!).

Was muss ich beim Ausfüllen der Steuererklärung beachten?

  • Formular DA-1 ausfüllen und damit Antrag auf pauschale Steueranrechnung stellen
  • Entsprechenden Dividendenbeleg beilegen

Empfehlenswert:
Legen Sie einen Beleg bei, auf dem die ISIN oder die Valorennummer sichtbar ist. Dies erleichtert es dem kantonalen Steueramt, die Angaben zu verarbeiten und man vermeidet damit mühsame Nachfragen.

Rückforderung unter dem Doppelbesteuerungsabkommen

Wenn das obige Beispiel nun inkl. Rückforderung durchgespielt wird, gelangt man zum folgenden Ergebnis: In den USA zahlt Herr Schweizer CHF 30 Quellensteuer. In der privaten Steuererklärung in der Schweiz deklariert er nach wie vor CHF 100 Dividende als Einkommen, stellt aber gleichzeitig den Antrag auf pauschale Steueranrechnung (Formular DA-1), wobei ihm CHF 15 (15% von CHF 100) angerechnet werden. Somit zahlt Herr Schweizer im Inland nur CHF 5 an Steuern statt CHF 20. Die gesamte Steuerlast beträgt somit neu CHF 35 statt CHF 50. Dank dem DBA hat Herr Schweizer CHF 15 an Steuern gespart. Es erfolgt eine Teildoppelbesteuerung resp. eine geminderte Doppelbesteuerung.

Ausgangslage ohne DBA
Dividende US CHF 100
QsT US % 30%
Einkommenssteuer CH % 20%
Ausgangslage mit DBA
Dividende US CHF 100
QsT US % 30%
Einkommenssteuer CH % 20%
Anrechenbar in CH % 15%
Rückforderbar in US % 15%
Besteuerung ohne DBA
QsT US CHF 30
Einkommenssteuer CH CHF 20
Total Steuern (US + CH) CHF 50
Besteuerung mit DBA
QsT US CHF 30
Einkommenssteuer CH CHF 20
Angerechnet in CH CHF 15
Einkommenssteuer nach Anrechnung CH CHF 5
Total Steuern (US + CH) CHF 35
Total Steuerlast % 50%
Total Steuerlast % 35%

Vollständige Rückforderung lohnt sich selten

Es besteht auch die Möglichkeit, die restlichen CHF 15 direkt von den amerikanischen Behörden einzufordern. In diesem Fall würde die Dividende von CHF 100 vollständig in der Schweiz besteuert. Dieser Weg ist aber bedeutend aufwändiger und lohnt sich erfahrungsgemäss erst dann, wenn es sich um wirklich grosse Beträge handelt. Grund: Für die Rückforderung dieses Teils muss sich Herr Schweizer direkt mit den amerikanischen Behörden in Verbindung setzen, entsprechende amerikanische Formulare ausfüllen etc. Alternativ besteht die Möglichkeit, mit der Bank im Ausland Kontakt aufzunehmen und diese um Unterstützung zu bitten. Eine solche Unterstützung ist meistens kostenpflichtig, wobei die Kosten bei kleinen Investitionssummen überproportional hoch sind und im Extremfall den rückforderbaren Betrag sogar übersteigen können. Dazu kommt der persönliche Arbeitsaufwand, was das Kosten-Nutzen-Verhältnis nochmals verschlechtert. Aus diesen Gründen wird in der Praxis oft auf den restlichen Quellensteuerbetrag verzichtet.

Praxisbeispiel

Ein diversifiziertes Portfolio umfasst in der Regel unterschiedliche Positionen verschiedener Länder in verschiedenen Währungen.

Musterbank, Portfolio 1000000

Instrument Zahltag Dividende
Originalwährung
Wechselkurs1 Dividende CHF QsT % QsT CHF Anrechenbar
in CHF
Rückforderbar
im Ausland
Anrechenbar
in CHF
Rückforderbar
im Ausland
Unternehmen 1, Niederlande 14.09.2018 EUR 150.00 1.1271 CHF 169.06 15.0% CHF 25.36 15.0% 0.0% CHF 25.36 CHF 0.00
Unternehmen 2, Österreich 30.07.2018 EUR 288.00 1.1581 CHF 333.52 27.5% CHF 91.72 15.0% 12.5% CHF 50.03 CHF 41.69
Unternehmen 3, Österreich 05.07.2018 EUR 225.00 1.1610 CHF 261.21 27.5% CHF 71.84 15.0% 12.5% CHF 39.18 CHF 32.66
Unternehmen 4, Schweiz 10.07.2018 EUR 77.00 1.1642 CHF 89.64 0.0% CHF 0.00 0.0% 0.0% CHF 0.00 CHF 0.00
Unternehmen 5, Österreich 14.05.2018 EUR 600.00 1.1945 CHF 716.70 27.5% CHF 197.09 15.0% 12.5% CHF 107.51 CHF 89.59
Unternehmen 6, Schweiz 15.05.2018 EUR 525.00 1.1883 CHF 623.83 0.0% CHF 0.00 0.0% 0.0% CHF 0.00 CHF 0.00
Unternehmen 7, Niederlande 23.04.2018 EUR 450.00 1.1944 CHF 537.46 15.0% CHF 80.62 15.0% 0.0% CHF 80.62 CHF 0.00
Total CHF 2’731.42 CHF 466.63 CHF 302.69 CHF 163.93
Praxisbeispiel

1Quelle: Kursliste der ESTV; Wechselkurs am jeweiligen Zahltag

Wie in der Tabelle ersichtlich ist (alle Angaben anonymisiert), hat ein Privatanleger in einem Steuerjahr insgesamt CHF 2731.42 an Dividenden ausgeschüttet erhalten. Die dabei abgeführte ausländische Quellensteuer beträgt CHF 466.63. Davon werden CHF 302.69 in der Schweiz auf die inländische Einkommenssteuer angerechnet. Die restlichen CHF 163.93 könnten separat im jeweiligen Land zurückgefordert werden.

Auf der Website der ESTV kann für jedes Land ausfindig gemacht werden, wie hoch der anrechenbare Teil und der rückforderbare Teil der ausländischen Quellensteuer jeweils sind. Es gilt ferner anzumerken, dass nicht alle Länder die Quellensteuer kennen. Ein gutes Beispiel dafür ist Grossbritannien.

Land Quellensteuer, in % Rückforderbar in der Schweiz, in % Rückforderbar im Ausland, in %
Australien 30 15 15
Schweden 30 15 15
USA 30 15 15
Finnland 30 10 20
Österreich 27.5 15 12.5
Deutschland 25 15 10
Italien 20 15 5
Japan 20 10 10
Spanien 19 15 4
Niederlande 15 15 0
Tschechische Republik 15 15 0
Luxemburg 15 0 15
Frankreich 12.8 12.8 0
Grossbritannien 0 15 0

*alle Angaben für Beteiligungen von weniger als 10%.
Quelle: www.estv.admin.ch, Stand: 14.5.2020