Written by Philipp Stirnemann on Oktober 9, 2018 in Businessplanung
Identifizierung Kapitalbedarf

Strategische Entscheidungen sind häufig mit einem zusätzlichen Kapitalbedarf verbunden, aber auch laufende operative Tätigkeiten erfordern eine Analyse des Kapitalbedarfs. Gerade die langfristige Kapitalplanung ist von verschiedensten Faktoren abhängig: Erweiterungsinvestitionen, Restrukturierungen, Produktionsverlagerungen etc. Daneben haben externe Effekte wie Wechselkursschwankungen, Entwicklungen des Konjunkturverlaufs einen erheblichen Einfluss auf den Kapitalbedarf resp. die Kapitalplanung. Um einen solchen Kapitalbedarf frühzeitig zu erkennen und entsprechende Massnahmen zu ergreifen, braucht es eine integrierte Planung, welche alle Faktoren einbezieht. Es kann beispielsweise sein, dass sich die Folgen einer Investition hinsichtlich des Finanzierungsbedarfs erst nach einer gewissen Frist bemerkbar machen – dies kann Auswirkungen in der Liquidität oder im Eigenkapital beinhalten. Expansionen haben auf die Liquiditätsplanung oft eine bedeutende Auswirkung, da der Investitionsbedarf nicht selten die Liquiditätssituation bis auf das Äusserste strapaziert.

Effektiver Kapitaleinsatz

Besteht eine Unternehmensgruppe aus mehreren Business Units oder Tochtergesellschaften, stellt sich die Frage, wie effektiv das zur Verfügung stehende Kapital verwendet wird. Das trifft einerseits für Banken und Versicherungen zu, welche aus regulatorischen Gründen gezwungen sind, Mindestkapitalanforderungen zu erfüllen, aber anderseits auch einfache Produktions- oder Dienstleistungsunternehmen, welche keinen unlimitierten Zugang zu neuem Kapital haben.

Zuerst stellt sich die Frage, wie man einen effektiven Kapitaleinsatz überhaupt messen will. Zur Auswahl stehen unter anderem die Eigenkapitalrendite, die Gesamtkapitalrendite, der Return on Investment, usw. Ist die Frage der Messung eines effektiven Kapitaleinsatzes geklärt, lässt sich einzelnen Abteilungen Kapital zuordnen und so der Kapitaleinsatz für die ganze Gruppe optimieren.

Kapitalstrukturoptimierung

Im Zusammenhang mit einem effektiven Kapitaleinsatz stellt sich natürlich die Frage nach der optimalen Kapitalstruktur. In Folge des Niedrigzinsumfeldes lohnen sich nun oft eine Erhöhung des Fremdkapitals und damit eine Erhöhung des Leverages. Eine Veränderung der Kapitalstruktur lässt sich auf mehrere Arten erreichen, und wieder gibt es zahlreiche Interdependenzen, die ohne integriertes Modell kaum erfasst werden können. Beispielsweise kann neues Fremdkapital aufgenommen werden oder vorhandene Gewinne werden an die Eigentümer ausgeschüttet. Beide Varianten haben einen Effekt auf die Liquidität, die Verfügbarkeit von Investitionskapital, auf die Profitabilität usw. Steht in den Folgejahren weniger/mehr Kapital zur Verfügung, muss die Investitionstätigkeit angepasst werden. Die Liquidität verändert sich beispielsweise aufgrund des direkten Abflusses von flüssigen Mitteln (bei Ausschüttungen) nicht nur in diesem Jahr, sondern dies hat Auswirkungen auf alle Folgejahre. Eine effektive Kapitalplanung ist ohne gleichzeitige Investitionsplanung nicht sinnvoll, gleichzeitig muss eine ausreichende Liquidität aufrechterhalten werden.

Synergiepotentiale

Bei einer integrierten Betrachtungsweise, die bereits bestehende Strukturen in die Investitionsplanung einbezieht, können Synergieeffekte richtig evaluiert werden. Oft stehen in Zeiten der Expansion die neuen Produkte oder Dienstleistungen der neuen „Business Line“ im Vordergrund, bestehende Synergiepotentiale werden aber zu wenig in Betracht gezogen. Der Gesamtnutzen für die Unternehmung wird entsprechend zu tief eingeschätzt.

Produktionsverlagerungen

Aktuell verlagern viele Firmen Produktionskapazitäten an billigere Standorte im Ausland um Kosten zu sparen. Solche Verlagerungen der Produktion haben natürlich Auswirkungen auf das ganze Unternehmen. Mit einem integrierten Finanzplan können auch indirekte Auswirkungen und Folgen, die erst in ein paar Jahren sichtbar werden, erfasst werden. Gegenmassnahmen (z.B. weitere Finanzierungen, Verlängerungen bestehender Kreditlimiten) können so frühzeitig geplant werden.

Nach dem Frankenschock im Januar 2015 wurde einmal mehr deutlich, dass viele Unternehmen den Einfluss der Frankenaufwertung schlecht abschätzen konnten, da viele verschiedene Faktoren hineinspielen. Die Planung einer möglichen Produktionsverlagerung (oder eine Produktionspartnerschaft) ist eine sehr langfristige Angelegenheit. Eine bessere Planung, als ein komplettes, individuelles Abbild der eigenen Unternehmung zur Evaluation verschiedener Alternativen gibt es eigentlich nicht.

Finanzierungskonditionen

Ein gewichtiges Argument für eine gründliche Planung sind letztlich auch die Finanzierungskonditionen. Diese Konditionen basieren einerseits auf den aktuellen Marktkonditionen, aber zusätzlich auf dem individuellen unternehmensspezifischen Risiko der Unternehmung. Gerade Letzteres ist oft schwierig zu bestimmen und ist letztlich Gegenstand von Verhandlungen zwischen Investor und dem Gläubiger. Oft verhindert ein Informationsvorsprung des Unternehmens eine Vergabe eines Kredits bzw. verschlechtert die Kreditkonditionen aufgrund einer erhöhten Unsicherheit für den Investor. Durch Offenlegung von Planrechnungen und Szenarien wird die Transparenz erhöht und die Unsicherheit reduziert. Durch Stresstestings und Stressszenarien können Extremsituationen aufgedeckt und bereits vorgängig Gegenmassnamen geplant werden. So erkennt nicht nur das Unternehmen die Schwächen Ihrer Organisation und den Handlungsbedarf, bevor es zu spät ist, sondern auch ein potenzieller Investor kann mit dieser Information versorgt werden. Zudem demonstrieren Sie gegenüber dem Investor Kompetenz, was wiederum positive Effekte auf die Finanzierungskonditionen haben kann.

Finanzierungskosten reduzieren

Wie kann ich meiner Bank oder einem Investor die finanzielle Tragbarkeit meines Projekts (Erweiterungsinvestition, Reorganisation, Bauprojekt oder Start-up Business etc.) aufzeigen und so Finanzierungskosten sparen?

Obwohl die Bank ihre eigenen – meist relativ simplen – Modelle zur Tragbarkeit und Belehnung hat, lohnt es sich, zusätzliche finanzielle Berechnungen anzustellen, insbesondere bei komplexeren Projekten. Durch eine detaillierte Finanzplanung kann die Transparenz gegenüber der Bank erhöht werden. Erfahrungsgemäss erhöht dies die Bereitschaft der Bank zur Kooperation und führt letztlich zu deutlich besseren Konditionen.

Bei Investorenpräsentationen für Ihr Projekt oder Ihr Business gilt Ähnliches. Durch Ihre Kompetenzdemonstration mittels grafisch top aufbereiteter Präsentation oder Report können Sie den Effekt auf den Betrachter beachtlich erhöhen. Zeigen Sie dem Investor, dass sie es ernst meinen und dass Sie sich bereits in der Planungsphase mit den relevanten Details auseinandergesetzt haben. Das schafft Vertrauen in Ihre Kompetenz und Transparenz!

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