Written by Mauro Bonzanigo on März 15, 2019 in Buchhaltung

Unternehmen, die kostenpflichtige ausländische Online-Services nutzen oder Dienstleistungen wie Bauarbeiten, Beratungen, Marketingservices, Marktforschung, etc. bei ausländischen Anbietern einkaufen, sollten sich hinsichtlich der Bezugsteuer bzw. der anfallenden Mehrwertsteuer genau informieren, um Nachforderungen der Eidgenössischen Steuerbehörde ESTV zu vermeiden.

Wofür steht der Begriff Bezugsteuer?

Die Bezugsteuer ist die Mehrwertsteuer, die auf den Import von Dienstleistungen erhoben und somit im MWST-Gesetz (MWSTG) geregelt wird. Der reguläre Steuersatz beträgt dementsprechend 7.7%. Bei der Einfuhr von Waren handelt es sich um die Einfuhrsteuer, auf diese wird in diesem Artikel aber nicht weiter eingegangen.

Wozu ist die Bezugsteuer gedacht?

Das Ziel dieser Steuer ist, den ausländischen Anbieter von Dienstleistungen in Sachen Mehrwertsteuer und damit Gesamtpreis seiner Services mit seinem Schweizer Konkurrenten gleichzustellen. Zur Vermeidung der Doppelbesteuerung wird bei grenzüberschreitenden Bezügen von Dienstleistungen  das Reverse-Charge-Verfahren (Übergang der Steuerschuld vom Leistungserbringer an den Kunden) angewendet, und zwar in beide Richtungen. Im Zuge dieses Verfahrens stellen ausländische Anbieter, die nicht der Schweizer Mehrwertsteuer unterstellt sind, den Schweizer Kunden Nettorechnungen (ohne MWST) aus. Folglich wären deren Dienstleistungen ohne den Ausgleich durch die Bezugsteuer billiger als jene inländischer Dienstleister.

Voraussetzungen zur Steuerpflicht

Ob ein Leistungsempfänger Bezugsteuern zu bezahlen hat, hängt von folgenden Faktoren ab:

  • Ort der Dienstleistung.
  • Steuerpflicht des Leistungserbringers. Falls der Leistungserbringer einen weltweiten Umsatz (inklusive Umsatz in der Schweiz) von höher als CHF 100’000 pro Kalenderjahr erzielt, muss sich der Leistungserbringer im Schweizer MWST-Register registrieren und die Rechnung wird mit der «normalen» Mehrwertsteuer ausgestellt. Der Begriff Bezugsteuer entfällt dann.

1. Ort der Dienstleistung

Artikel 45 MWSTG besagt, dass nur Dienstleistungen der Bezugsteuer unterliegen, die nach dem Empfängerortsprinzip von Unternehmen mit Sitz im Ausland erbracht und durch Kunden in der Schweiz bezogen werden. Nach diesem Prinzip befindet sich der Ort der Dienstleistung dort, wo der Empfänger der Dienstleistung den Sitz seiner wirtschaftlichen Tätigkeit, eine Betriebsstätte oder seinen Wohnsitz (Privatperson) hat.

Dieses Prinzip gilt unter anderem für die folgenden Dienstleistungen:

  • Werbeleistungen (Inserate, Marktforschung)
  • Kauf und Verkauf von Marken, Rechten, Patenten, Lizenzen
  • Beratungsleistungen von Unternehmensberatern, Treuhändern, Steuerberatern, Notaren, Anwälten, etc.
  • elektronische Dienstleistungen (Erstellen von Websites, Software, Webhosting, online Verkauf von eBooks, )

Beispiel 1:

Die Süsswaren AG aus München verkauft eine Lizenz an eine Konditorei in Zürich. Der Ort der Leistung ist Zürich. Die Rechnungssumme ist ohne Mehrwertsteuer ausgewiesen, also netto. Die Konditorei in Zürich muss die Bezugsteuer rechtzeitig deklarieren und zahlen.

Ausnahme. Dienstleistungen für Grundstücke stellen eine Ausnahme dar, weil der Ort für diese spezifischen Dienstleistungen laut MWSTG 8 Abs. 2 Bst. f dort liegt, wo sich das Grundstück befindet. Der Ort des rechtlichen Sitzes des Empfängers ist also nicht entscheidend. Dazu zählen folgende Dienstleistungen:

  • Architekturarbeiten, Ingenieurarbeiten, Bauleistungen
  • Verwaltung, Begutachtung, Schätzung von Grundstücken
  • Vermittlung von Liegenschaften

Beispiel 1:

Die Immo Firma AG aus Zürich beauftragt ein kleines Architekturbüro aus München mit der Planung eines Hauses in Zürich. Das Architekturbüro stellt die Rechnung ohne Mehrwertsteuer aus. Die Leistung gilt aufgrund des Liegenschaftsstandorts als in Zürich erbracht, deswegen unterliegt sie der Bezugsteuer, die die Immo Firma AG zu zahlen hat.

Beispiel 2:

Dieselbe Immo Firma AG aus Zürich will ihre Liegenschaft, die sich in Berlin befindet, verkaufen. Dazu beauftragt sie die Liegenschaftsvermittlung GmbH aus Berlin mit dem Verkauf dieser Liegenschaft. Der Ort der Leistung ist nun Berlin, demnach unterliegt die Dienstleistung nicht der Bezugsteuer. Die Liegenschaftsvermittlung GmbH stellt die Rechnung mit deutscher Umsatzsteuer aus.

Beispiel 3:

Ein Schweizer Architekt wird von einem Schweizer Kunden beauftragt, eine Villa in Spanien zu bauen. Der Ort der Dienstleistung ist Spanien. In diesem Fall muss sich der Architekt mit dem spanischen Steuerrecht auseinandersetzen, die Schweizer Mehrwertsteuer findet keine Anwendung.

2. Steuerpflicht des Leistungsempfängers

Die zweite wichtige Voraussetzung für das Vorhandensein der Steuerpflicht ist, dass die Dienstleistung von einem nicht steuerpflichtigen, ausländischen Anbieter an einen steuerpflichtigen Kunden (der Mehrwertsteuerpflicht unterstehend) erbracht wird. Das ist bei B2B Geschäften der Fall. In diesem Fall zahlt der Kunde die Bezugsteuer.

Falls der Schweizer Kunde – ob juristische oder natürliche Person spielt keine Rolle – nicht im Register der steuerpflichtigen Personen eingetragen ist (also nicht mehrwertssteuerpflichtig ist), zahlt er nur dann Bezugsteuern, falls er im Kalenderjahr Dienstleistungen mit Nettowert von mehr als 10’000 Franken bezieht. Das kanni B2C- als auch B2B-Geschäfte betreffen. Beim Überschreiten dieser Wertgrenze ist die Bezugsteuer auf sämtliche Dienstleistungsimporte des Kalenderjahres geschuldet, es gibt keine Wertfreigrenze von CHF 10’000.

Pro memoria:

Ein ausländische Anbieter, der Waren oder Dienstleistungen in der Schweiz vertreibt, untersteht obligatorisch der Abgabe der Mehrwertsteuer, falls sein weltweiter Umsatz (im Ausland und in der Schweiz) mindestens 100‘000 Franken pro Jahr beträgt und muss sich folglich im Register der steuerpflichtigen Personen eintragen lassen. Seine Kundenrechnungen stellt er dann genau gleich aus, wie es ein Schweizer Dienstleister tun würde, also Dienstleistungspreis zuzüglich MWST.

In der folgenden Tabelle wird der Bezug von Dienstleistungen aus dem Ausland zusammengefasst. Es handelt sich ausschliesslich um die Erbringung von Dienstleistungen an Kunden mit Sitz in der Schweiz. Klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrössern.