Written by Philipp Stirnemann on Januar 31, 2018 in Buchhaltung
Effektive Kosten zu tief geschätzt

Regelmässig werden wir angefragt, ob es möglich ist, dass wir als Treuhänder nur den Geschäftsabschluss erstellen, ohne dass uns die gesamte, laufende Buchhaltung übertragen wird. Es gibt viele Gründe, wieso ein Unternehmen seine Buchhaltung selbst führen will. Häufig sind damit jedoch falsche Vorstellungen verbunden, insbesondere bezüglich Kosten und Aufwand. Beides wird systematisch unterschätzt.

1. Die internen Kosten für eine Buchhaltung werden massiv unterschätzt

Einerseits wird der Aufwand für die Buchhaltung selbst unterschätzt, andererseits auch die Arbeitskosten der Mitarbeiter. Bereits in einem früheren Beitrag haben wir gezeigt, wie sich die effektiven Kosten einer Arbeitsstunde berechnen (Vollkostenrechnung) und dass Kosten von über CHF 100/Stunde eher die Regel als die Ausnahme sind. Link zum Beitrag und Vollkostenrechner 

2. Mehr Abstimmungsaufwand und Fehlerkorrekturen

Dem Treuhänder, der sich unterjährig nicht mit der Buchhaltung befasst und nur den Abschluss erstellt, fehlen in der Regel wichtige Informationen, die durch vermehrte Koordination und Dokumentation kompensiert werden müssen. Dies alles erhöht den Arbeitsaufwand. Dazu gesellt sich der Aufwand für nachträgliche Fehlerkorrekturen, die unternehmensseitig beim Buchen anfallen.

Steuern sind nicht optimiert

Die oben erwähnten Fehler in der Buchhaltung sind nicht nur ein Kostenfaktor, sondern beeinträchtigen auch die Qualität der Buchhaltung. Oft können nämlich nur Stichproben durchgeführt werden. Auch das erhöhte Mass an Koordination ist eine zusätzliche Fehlerquelle.

Weitere Qualitätsverluste können entstehen, wenn der Treuhänder aufgrund mangelnder Kenntnis der Vergangenheit oder von Spezialfällen keine langfristige, konsistente Steueroptimierung vornehmen kann.

Die indirekten Kosten einer suboptimalen Steuerplanung sind nicht offen ersichtlich, oft wird dieser «Verlust» gar nie bemerkt. Eine Investition in die Qualität der Buchhaltung führt langfristig meist zu einer Nettoersparnis, auch wenn dies auf den ersten Blick nicht so offensichtlich erscheint.

In den allermeisten Fällen ist also eine komplette Übergabe bzw. ein Outsourcing der Buchhaltung kosteneffizienter als eine interne Lösung mit zusätzlichem externem Support.